Donnerstag, 14. März 2013

Seifengerücht auf dem Prüfstand: Heizt Zucker auf?

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Zucker ist ja auch so ein Ding beim Sieden: manche schwören, er heizt auf, andere nehmen es einfach mal vorsichtshalber an und wieder andere nutzen ihn und können nie feststellen, das Zucker aufheizt.
Ich persönlich habe bis dato Zucker selten in CP genutzt, weil ich die schaumfördernden Eigenschaften bisher nicht so auffallend fand. Zucker nutze ich eher in OHP, weil ich finde, dass damit die Seife geschmeidiger bleibt und ich so bröckelige OHPs nicht so schön finde. In CP nutze ich hin und wieder allerdings Honig und da habe ich bisher schon den Eindruck, dass der Seifenleim sich stärker aufheizt als ohne.

Ja, also gucken wir uns das doch mal an, oder?

Haushaltszucker ist zweiwertiger Zucker, bzw. Saccharose, Honig dagegen besteht aus ca. 35-40% Fructose, ca 30% Glucose und nur ca 1% Saccharose. Ich habe mir Analysedatenblätter von 3 unterschiedlichen Honigchargen verschiedener deutscher Imker angesehen, um ihm etwas genauer auf die Schliche zu kommen, da Honig ja noch mehr enthält als Zucker und im Schnitt waren außer den Zuckersorten noch 17% Wasser enthalten, sowie 2% Proteine, 0,8% Säure und 0,2% Mineralstoffe. Der Grund, weshalb ich deutsche Imker ausgesucht habe, ist das Reinheitsgebot für Honig in Deutschland und die Information, dass Honig aus manchen anderen Ländern üblicherweise mit Zucker versetzt wird. Wer sich die Honiganalysesache mal genauer ansehen möchte, findet hier und hier aufschlußreiche Informationen.

Also sofern Honig aufheizen sollte, wären die naheliegenden Verdächtigen Fructose oder Glucose aufgrund ihres hohen Gehalts im Honig. Daher mache ich direkt einen Test mit Zucker, Traubenzucker, Fruchtzucker, Honig und ohne Zusatz. Ich setze einen gemeinsamen Seifenleim an, zwacke dabei aber etwas Wasser ab, um die Zuckersorten vorher aufzulösen und um der Variante ohne Zusätze die gleiche Menge an Wasser noch beimengen zu können.

Die Zuckerkonzentration wähle ich recht hoch: 10% der Fettmenge, gelöst in der gleichen Menge Wasser. Die Honigmenge rechne ich entsprechend hoch in der Annahme, dass er 17% Wasser enthält und berechne die Wassermenge entsprechend niedriger. Die Temperaturen aller Varianten messe ich zum ersten Mal nach dem Einformen und dann halbstündlich, bis sich klar abzeichnet, dass alle Varianten wieder abkühlen.

Die Gesamtfettmasse beträgt 1600g, also 320g pro Anteil. Hier nochmal eine detaillierte Übersicht zu den Mengenverhältnissen:




Und dann schaumermal....:

10 Minuten nach dem Einformen sah das so aus: 



Ich muss ehrlich sagen, ich war sehr überrascht darüber, dass sich die Farbe des SL bei Honig unmittelbar beim Verrühren schon geändert hat und die Farben von Fruchtzucker ähnlich schnell. Traubenzucker war etwas langsamer, aber insgesamt finde ich alle drei ziemlich krass. Ich meine, das ist immerhin ein popliges 25er-Rezept ohne Schnickschnack, von den Zuckersorten mal abgesehen.
Aber zurück zu den Temperaturen: Direkt nach dem Einrühren von Honig, Fruchtzucker und ganz leicht verzögert auch Traubenzucker, hatten diese 3 Varianten tatsächlich auch eine deutliche Hitzeentwicklung. Die konkreten Temperaturen waren 10 Minuten nach dem Einformen: 

Pur: 50°C
Honig: 77°C
Zucker/Saccharose: 52°C
Traubenzucker/Glucose: 67°C
Fruchtzucker/Fructose: 77°C

Erstaunlich, oder? 


30 Minuten später sah das dann so aus:



Pur: 62°C
Honig: 62°C
Zucker/Saccharose: 58,5°C
Traubenzucker/Glucose: 66°C
Fruchtzucker/Fructose: 65°C


Weitere 30 Minuten später:



Pur: 49°C
Honig: 52°C
Zucker/Saccharose: 52°C
Traubenzucker/Glucose: 53°C
Fruchtzucker/Fructose: 53°C


Und weil's so schön ist, diesmal weitere 40 Minuten später:




Pur: 41,5°C
Honig: 42°C
Zucker/Saccharose: 42°C
Traubenzucker/Glucose: 42°C
Fruchtzucker/Fructose: 40,5°C


Fazit:

  • Normaler Zucker heizt bei einem ansonsten unauffälligen 25er-Rezept nicht nennenswert auf.
  • Honig, Fruchtzucker und Traubenzucker heizen deutlich auf, davon ist bei Fruchtzucker und Honig der stärkste Temperaturanstieg zu verzeichnen.
  • Da Honig hauptsächlich aus Fruchtzucker und Traubenzucker besteht, kann man davon ausgehen, dass er aufgrund seines hohen Gehalts an diesen beiden, vor allem dem Fruchtzucker, aufheizt.
  • Da Fruchtzucker, Traubenzucker und übrigens auch Galactose (der Schleimzucker in Milch) Monosaccharide - also einwertige Zuckersorten - sind,  heißt das unterm Strich für mich: Monosaccharide heizen auf, zweiwertiger Zucker offenbar nicht.
  • Der Temperaturanstieg fand unmittelbar  nach dem Zusammenrühren statt und nicht erst während der Gelphase, so dass man mit kaltem Arbeiten (was ich absichtlich nicht getan habe) wahrscheinlich eine zu starke Reaktion abfedern kann. Möglicherweise könnte man auch mit einer Kühlung in der ersten halben Stunde einen heftigen Temperaturanstieg verhindern und die Seife hinterher dennoch in die Gelphase kommen lassen.



Ich bin über das Ergebnis wirklich erstaunt. Nie hätte ich gedacht, dass der Temperaturanstieg derart drastisch ist. Und vor allem hätte ich auch gedacht, dass er allmählich stattfindet, mit der Gelphase. Stattdessen scheint das eine thermische Reaktion zu sein, die unmittelbar beim Verbinden der Komponenten stattfindet, denn nach dem spontanen Temperaturanstieg kühlten sich alle aufgeheizten Varianten wieder langsam ab, anstatt in der Gelphase weiter anzusteigen.


In ein paar Wochen wasche ich alle Zuckersorten mal an, um zu sehen, ob sie sich im Schaumverhalten unterscheiden.


Nachtrag: weil ich irgendwie auch spannend finde, dass die Temperaturkurve insgesamt bei Zucker und pur ähnlich verlaufen, aber anders als bei den einwertigen Zuckersorten, zeige ich Euch mal noch eben die Temperaturkurven im Vergleich, vielleicht geht es irgendwem von Euch auch so, dass Ihr sowas gerne bildlich habt:



Habt einen sonnigen Tag!

Sonntag, 3. März 2013

Theas Babyseifen

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Mir schien heute die Sonne auf den Schreibtisch! Ist das nicht wunderbar? Ich weiß gar nicht, wann ich (oder eben mein Schreibtisch *hust*) das letzte Mal Sonnenstrahlen abbekommen hat, aber es war defintiv im vergangenen Jahr und es tut so unglaublich gut, dass die Sonne endlich mal wieder richtig scheint!


Für die kleine Thea habe ich ja noch Babyseifen gemacht, die ich einfriere, damit sie sie bekommen kann, wenn sie alt genug dafür ist mit Seife gewaschen zu werden und die wollte ich Euch mal noch zeigen. Als Rezept habe ich Olive-Aprikosenkern-Shea gewählt mit einer recht kleinen Menge an Kokos (15%), damit Schaum nicht ganz fehlt, aber trotzdem nicht soviel harsches Öl enthalten ist. Kein Duft, keine Farbe, keine Milch, nix. Nur Seife:




Die 3d-Formen nutze ich selten, weil sie zum Verkauf völlig unwirtschaftlich sind (in meinem Preissegment zumindest), aber für Geschenke nutze ich sie gerne. Irgendwie sind sie haptisch so schön mit den runden Formen. Wie Handschmeichler.


Habt noch einen schönen Restsonntag und genießt den kommenden Frühling!

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