Donnerstag, 31. Januar 2013

Olivenölseifen-Schleimtest Teil 1

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Eigentlich habe ich meistens irgendwelche Tests zu meinen Seifen oder zu Badekosmetik laufen und ich bin in der sehr glücklichen Lage, dass ich immer willige Testpersonen um mich habe, die bereitwillig meine Auswertungsbögen ausfüllen. Wenn ich längere Zeit nichts teste oder ausprobiere, wird meine Neugier ungeduldig und ich bekomme das Gefühl stehen zu bleiben - und am allerbesten finde ich, wenn solche Versuche für mich dann auch wirklich verwendbare Ergebnisse erzielen. Nach Euren positiven Rückmeldungen zum TiO2-Test, dachte ich, ich lasse Euch hieran auch teilhaben, vielleicht interessiert es ja den/die einen oder anderen Leser/in unter Euch.

Schon wirklich sehr lange stört mich das Thema Schleim bei Olivenölseifen und die Tatsache, dass ich nicht genau eingrenzen kann, was genau das Schleimen verursacht oder wie man es verhindern kann. Eine reine Olivenölseife gehört auch zu meinem Kernsortiment und ich würde sie furchtbar gerne an meine Kunden weiter geben können ohne zu wissen, dass sie die Tendenz hat Fäden zu ziehen. Nachdem vor kurzem das Thema dank einer lieben (und gleichsam neugierigen) Mit-Userin im Seifentreff-Forum erneut aufkam, dachte ich, ich widme mich dem jetzt endlich mal.

Seitdem vor geraumer Zeit (ich weiß leider nicht mehr, wer hier die Lorbeeren verdient hat - mea culpa!) jemand festgestellt hat, dass bei einer Wasserreduktion auf 1:1 (Wasser zu NaOH) Olivenölseifen zu schäumen beginnen und das Schleimen nachlässt, folgen diesem Beispiel ziemlich viele Sieder im Seifentreffforum und das Ergebnis ist offenbar reproduzierbar. Die genauen Vorgehensweisen oder Zusätze (zusätzlich zur Wasserreduktion), auf die die einzelnen als Schaum-statt-Schleim-Wunderwaffe schließen, unterscheiden sich allerdings ein wenig. Daher möchte ich ein paar unter die Lupe nehmen, die ich entweder schon häufiger gehört/gelesen habe oder bei denen ich selbst schon den Eindruck hatte, dass sie das Schleimverhalten beeinflussen.

Genau gesagt schaue ich mir an:
Olive ohne alles versus:
Mit Seide
Mit Ziegenmilch
Mit 5% Zitronensäure
Aus gesättigter Sole
Aus gesättigter Sole mit 5% Zitronensäure

Ich siede hierfür Minimengen (dank meiner wundervollen Waage trau ich mich das) und verwende für alle das gleiche Olivenöl. Normalerweise verwende ich die doppelte Menge Wasser wie NaOH, so dass ich jede Variante zum Vergleich einmal mit gleicher und mit doppelter Wassermenge siede.
Hier mein Worksheat, falls jemand nicht mehr durchblickt:



Und hier der erste Sneakpeak auf die gesiedeten Seifen:




Die allerersten beiden Testseifen waren die ohne alles und dabei ist mir leider die mit der einfachen Wassermenge ein wenig durch die Abklebungen im Dividor entschlüpft. Nicht viel, aber schon was. Daraufhin habe ich alle folgenden bis zum Puddingstadium gerührt (geht ganz gut bei der Minimenge) und dabei ist mir lustigerweise aufgefallen, dass bei allen Varianten jeweils die mit der doppelten Wassermenge wesentlich williger andickte als die mit der einfachen Menge Wasser. Nach Hausfrauenlogik hätte ich eher vermutet, dass die mit mehr Wasser länger flüssig bleibt. 

In 3 Monaten (habe mir extra einen Termin im Outlook eingetragen) zeige ich Euch die Ergebnisse, solange müssen wir uns leider noch gedulden. Doof.

Nachtrag: Jetzt am Folgetag sind alle Varianten mit doppelter Wassermenge bereits so fest, dass ich sie ausformen könnte, alle Varianten mit einfacher Wassermenge sind noch sehr weich. Wirklich lustig irgendwie, ich hätte erwartet, dass die hohe Konzentration der Lauge die Verseifung fördert. Offenbar hat aber die Tatsache, dass ich alle Varianten mit doppelter Wassermenge bis Pudding gerührt habe, den größeren Unterschied ausgemacht. Jetzt frage ich mich nur, warum die höher konzentrierte Lauge durchgängig schwerer andickt.

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Montag, 21. Januar 2013

Seifengerücht auf dem Prüfstand: heizt TiO2 auf?

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Seit knapp 3 Jahren geistert das Gerücht in Seifensiederkreisen, dass Titandioxid (das Mineral, das als weißer Farbstoff in Seife genutzt wird) den Seifenleim aufheizen würde. Wie dieses Gerücht zustande kam, weiß ich nicht - aber es hält sich hartnäckig und in Troubleshootings wird regelmäßig auf TiO2 als möglichen Hitzeverursacher hingewiesen, obwohl dem scheinbar noch nie jemand wirklich auf den Grund gegangen ist. 

Sichtbar ist bei TiO2 tatsächlich eine Reaktion auf große Hitze: die Optik bekommt eine Art Krakelierung mit leicht transparenten Schlieren. Mir ist das erst einmal passiert, daher kann ich nicht mit vielen Beispielbildern aufwarten, aber vielleicht kann man es hierauf dennoch ganz gut erkennen:



Dass TiO2 auf Hitze reagiert, heißt allerdings nicht, dass es selbst einen Temperaturanstieg des Seifenleims verursachen muss. Ja und weil ich es einfach auch nicht glaube und ich da irgendwie einen Monk in mir habe, den sowas dann nervt und der das genau wissen will, teste ich es jetzt.

Dafür verwende ich einen Seifenleim, den ich exakt zweiteile, in gleiche Behältnisse fülle und an der gleichen Stelle zur Gelphase stehen lasse. Es sind jeweils 545g Seifenleim aus dem 25er Rezept (Kokos, Raps, Palm und Olive) mit 5% ÜF und um die Voraussetzungen bis auf das TiO2 so identisch wie möglich zu gestalten, habe ich die gleiche Flüssigkeitsmenge, in der ich das TiO2 gelöst habe, der anderen Hälfte als destilliertes Wasser hinzugefügt. So sieht es jetzt erstmal aus:




Das zusätzliche Wasser habe ich in die "ohne-Version" zuerst eingerührt und in der Zeit bis ich das TiO2 in der "mit-Version" hatte, hat der SL schon deutlich angezogen, daher hat die Mit-Version keine ebene Oberfläche. Verwendet habe ich knapp 1 TL TiO2, was bei der geringen Menge SL ganz ordentlich ist und da ich recht warm gearbeitet habe, liegen beide Versionen zu beginn bei einer Temperatur von 45°C.

Nach einer Stunde haben beide Seifen eine Temperatur von 63-64°C:




Nach 3 Stunden ist die Temperatur bereits gesunken - die Seife ohne TiO2 hat noch 40°C und die Version mit TiO2 39°C:




Nach 6 Stunden ist die Temperatur weiter gesunken und ich denke, die Seife holt nicht noch zu einer 2. Gelphase aus. Jetzt haben beide Varianten genau 31°C.




Fazit: Die Temperaturentwicklung ist nahezu identisch, in der wirklich heißen Phase war nicht zu erkennen, dass die Seife mit TiO2 stärker oder schneller aufheizt. Es waren minimale Schwankungen in beide Richtungen zu vermerken: Nach 3 Stunden ist die Version ohne TiO2 1°C wärmer, nach 5 Stunden ist die Version mit TiO2 knapp2°C wärmer, aber keine der Varianten hat die andere nennenswert überholt. Die größte Hitze haben beide nach ca. anderthalb Stunden erreicht und da lagen sie Kopf an Kopf bei 68°C.
Ich denke, es ist recht sicher zu sagen, dass TiO2 den Seifenleim also nicht aufheizt.

Für mich ist dieser Mythos widerlegt. Ich habe ohnehin nie verstanden, worin die Annahme begründet sein soll, dass TiO2 aufheizt - aber jetzt kann ich die Frage endgültig für mich abhaken. 
Und dann überlege ich mir mal, was ich als nächstes teste... 

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