Freitag, 25. Juni 2010

Schieberseife: Sumer

*
Seifenschieber "untergegangene Kulturen"
Making of:
Sumer




Die Sumer-Seife ist mein Beitrag zum kleinen seifenschieber "untergegangene Kulturen", weil mich die sumerische Kultur schon seit längerem interessiert und fasziniert. Ich habe versucht, in dieser Seife Aspekte der Kultur und des alltäglichen Lebens der Sumerer wieder zu spiegeln.
Worüber man bei den Stichworten Seife und Sumer zwangsläufig stolpert, ist das älteste bislang gefundene Seifenrezept überhaupt, welches auf einer sumerischen Keilschrifttafel entdeckt wurde. Dieses Rezept gibt eine Zusammenstellung an aus 1 sila (~1 Liter) Fett und der fünfeinhalbfachen Menge Pottasche, bzw. Asche aus Naga. Üblicherweise nahm man tierisches Fett, vor allem Schweineschmalz und je hochwertiger dei Seife werden sollte, desto mehr Schweineschmalz ersetzte man durch Sesamöl. Für sehr feine Waschungen ersetzte man auf 20 sila Naga 1,6 sila Fett durch Sesamöl. Einer Überlieferung zufolge soll sich die sumerische Göttin Inana mit einer Seife ausschließlich aus Sesamöl und Naga gewaschen haben. Zunächst jedoch war Seife damals ein Mittel um Hautkrankheiten zu behandeln und Wolle zu walken - die Menschen wuschen sich mit einer Paste aus Kaolin und Wasser oder sie rieben sich mit Sesamöl ein und schabten dieses mitsamt dem Dreck wieder ab. Erst mit der Zeit begannen die Sumerer Seife auch für die alltägliche Körperhygiene zu verwenden.
verwendete Fette in der Seife:
Da also zur Seifenherstellung damals Schweineschmalz und Sesamöl verarbeitet wurden, habe auch ich mich für die beiden Öle entschieden und wollte sie nach Möglichkeit durch weitere Fette ergänzen, die damals in der sumerischen Kultur gebräuchlich waren. Auf der Suche nach Ölen, sowie (öltauglichen) Früchten und Pflanzen der Sumerer habe ich Abende lang ein sumerisches Wörterbuch und Keilschfrifttafel-Übersetzungen gewälzt, sowie einen informativen Schriftwechsel mit einem sehr freundlichen Professor für Altorientalistik gepflegt *ggg*. Im Ergebnis konnte ich dann Sesam und Schweineschmalz ergänzen durch Oliven, Mandel und Weizen. Das einzige Fett, welches ich in einem Anfall von Freigeistigkeit oder Übermut zugefügt habe ohne dass es eine Verbindung zur Kultur hat, ist das Schaumfett Palmkern.


Weitere Inhaltsstoffe:
Ziegenmilch und Kuhmilch zählten zu wichtigen grundnahrungsmitteln und waren sumerisches Handelsgut. Obwohl ich Kamel- oder Eselsmilch viel reizvoller gefunden hätte, habe ich mich der Authentizität gebeugt und Ziegenmilch zum Anrühren der Lauge verwendet *g*.
Kaolin wurde, wie ich weiter oben schon erwähnt habe, damals schon als Mittel zur Körperhygiene verwendet, weshalb auch ich es als Zutat für diese Seife genutzt habe.
Der Duft:
Die Sumerer stellten schon damals duftende Öle (i-gu-la) und Parfum (i-dùg-ga) her. In den Quellen, die ich finden konnte, waren vor allem Harze, Gewürze, Spikenarde und duftende Hölzer ( allen voran Zedernholz) als Duftstoffe erwähnt. Daher habe ich den Duft für diese Seife aus Weihrauch, den ätherischen Ölen von Zedernholz, Kardamom und Sandelholz, sowie aus ätherischem Orangenöl, und dem Parfümöl "Fig& Brown Sugar" zusammen gestellt. Feigen, Orangen und andere Zitrusfrüchte gehörten zu den täglichen Nahrungsmitteln der Sumerer, daher fand ich sie eine passende Ergänzung.
Die Farben:
Ton spielte in der sumerischen Kultur eine tragende Rolle als Schriftmedium und später als Baumaterial wunderschöner Architektur. Deshalb habe ich Tonerden in rot, gelb und grün verwendet. Rot, um den allgegenwärtigen Werkstoff Ton zu symbolisieren, gelb für das vormals eher öde Sumpf- und Schilfland und grün für die dank ausgeklügelter Be- und Entwässerungssysteme allmählich üppig gedeihende Landwirtschaft. das Grün habe ich mit etwas zusätzlichem Farbpigment noch verstärkt. Auf der Oberseite der seife befinden sich außerdem zwei blaue Streifen: sie stehen für Euphrat und Tigris, die zwei Ströme, die Mesopotamien den namen "Zweistromland" beschert haben.
So sah die Seife schon eingeformt, aber noch ohne Euphrat, Tigris und die Aufleger aus:


Aufleger:
  • Ein Rad, da es eine der bedeutenden Entdeckungen der sumerischen Kultur war und es sowohl für den Handel, als auch für reibungslose Abläufe in der Landwirtschaft essentielle Bedeutung hatte.
  • Eine Keilschrifttafel mit der Inschrift šu-luh-hu digir inana, was übersetzt bedeutet "Reinigungsritual zu Ehren Inanas".
  • Unabsichtlich aber passender Weise ist außerdem Sodaasche entstanden. So wenig ich aktiv zu ihrem Erscheinen beigetragen habe, so passend finde ich sie aber auch - immerhin haben die Sumerer ihre Seife aus Asche hergestellt (es lebe die Authentizität, wenngleich nur symbolisch...*g*). Ein Wehrmutstropfen dabei ist allerdings, dass die Farben durch die Sodaasche nicht mehr so kräftig sind - schade um die Marmorierung.

Das sind die absichtlichen Aufleger:


Und das ist noch mal eine Keilschrift-Mini-Seifentafel in einzeln und deutlicher:



Das Drumherum:
Einziges Drumherum ist ein Band aus Schilf um die "Beipackschriftrolle", da Schilf der erste und lange Zeit bedeutendste Baustoff der Sumerer war:




Und noch 2 Gruppenbilder (noch ohne Sodaasche und Schriftrollen - und dann mit beidem *g*):







Meinem Gefühl nach habe ich meine "mission accomplished". Bei aller Unscheinbarkeit, ist diese Seife voll mit Bedeutung und ich habe mich bei den Inhaltsstoffen so nah an sumerische Traditionen und bekannte Materialien heran bewegen können, wie ich vor Beginn nicht erwartet hätte. das hat unglaublich viel Spaß gemacht. Von daher:



Kintillû
("vollendeter Arbeitsauftrag")

silim-šè gù za dé!
*

Kommentare:

  1. Hallo!

    So jetzt hast du die Facharbeit in der Seifensiederei geschriben und auch das Werkstück dazu geschaffen!

    Toll was Seife alles aussagen kann!!!!! Ich bin echt begeistert!!!!!

    LG Sabine

    AntwortenLöschen
  2. SUPERTOLL! mehr kann ich dazu gar nicht sagen.

    liebe Grüße Dörte

    AntwortenLöschen
  3. Ganz klasse wie du das Thema umgesetzt hast und alles so schön beschrieben! Da steckt nen Batzen Arbeit drin, vor allem Vorarbeit! Respekt! ...und eine schöne Woche wünscht Anke

    AntwortenLöschen
  4. bin wieder mal schwer beeindruckt.

    AntwortenLöschen
  5. deprimierenderweise zeigt Ihr ja mehr Interesse und Freude an der Seife als ich bei meinen Mitschiebern den Eindruck hatte :-o

    Aber umso mehr freuen mich Eure Kommentare - sie tun mir wirklich RICHTIG gut. In der Seife steckt viel Herzblut.

    AntwortenLöschen
  6. Mich hauts vom Hocker. Die Seife ist der Wahnsinn!

    AntwortenLöschen